Logo

Die Trainer C Ausbildung des Landestauchsportverbandes Thüringen in Naumburg (Saale), Sachsen-Anhalt im Februar 2018


Blicke über den Tellerrand


Der Landesverband Rheinland-Pfalz bietet ganz regelmäßig Trainer C Kurse und die vorausgesetzten Brevetierungen und Kurse an. Wozu also in die Ferne schweifen? Vielleicht ganz ausnahmsweise einmal… Ein kleines Resümee von Armin, er ist seit 2016 im TSC Speyer Mitglied.

Erste Kontaktaufnahme in Nordhausen, Thüringen
Im September 2016 war ich als Kursteilnehmer in Nordhausen zum Apnoe SK 2 bei Philipp Selentin als Leitendem. Ansonsten zentral und sehr gut von den TLs im TSV Speyer ausgebildet, war für mich einmal spannend, wie eigentlich außerhalb des eigenen Vereins gelehrt und getaucht wird. Dort lernte ich auch Philipps Vater Oleg kennen, jetzt u.a. Landesausbildungsleiter des LTV Thüringen. Er berichtete mir, dass er jährlich einen intensiven Kompaktkurs Trainer C im Frühjahr ausrichte, bei dem sowohl die Trainer C Lizenz Sporttauchen (mit DTG), als auch die Lizenz Apnoetauchen erworben werden kann. Da ich sowohl mit Gerät, als auch gerne ohne tauche, war ich sofort sehr interessiert.

Bild "Seminarberichte:Trainer-C-LVST-Thringen_01.jpg"

Erfahrungen in Baden
Ich begann also die einschlägigen Ordnungen des VDST zum Trainer C zu studieren und sammelte entsprechend die Einkleber von AKs und Brevets,  ich loggte Tauchgänge, schrieb Analysen meiner Hospitationen und  Vereinspraktika, damit ich im Frühjahr 2018 den Kompaktkurs würde besuchen können.  Die Theorieprüfung des DTSA Silber legte ich aus zeitlichen Gründen in Karlsruhe beim Badischen LTV ab, ebenso wie die Hospitationen und Praktika: Eine herzliche Aufnahme, motivierende und freundliche Unterstützung erfuhr ich dabei in den Vereinen TC Heidelberg, Sharks Mannheim und 1. TSC Mannheim. Ganz unterschiedliche Strukturen, Trainingsbedingungen und Zielgruppen erwarteten mich dort und forderten meine Anpassungsfähigkeiten. Dort entwickelte sich auch meine Motivation für ein Trainersein weiter.

Erfahrungen in Rheinhessen
Als Familienvater mit zwei Jobs bin ich terminlich eingebunden und konnte letztlich die sportartenübergreifende Basisqualifikation über drei Tage in der Landessportschule Seibersbach in Rheinhessen ablegen, ganz einfach weil es so für mich passte. Zusammen mit Ball- und Kampfsportlern, Tauziehern aus dem Schwarzwald und Vertretern von weiteren Sportarten geschah dies dann auch. Dort erhielt ich die ersten Einblicke u.a. in die ehrenamtliche Vereinsarbeit, Grundkenntnisse in Recht und Versicherung, Pädagogik, Sportwissenschaft, wie man Zuschüsse beantragt und wozu es die Sportjugend und den LSB gibt. Basiskenntnisse aus dem Schulsport wurden aufgefrischt und „Traumata“ durch frühere Schulsporterlebnisse wurden dabei reaktualisiert. Sportlehrer haben es bei mir halt nicht immer leicht!

Bild "Seminarberichte:Trainer-C-LVST-Thringen_02.jpg"

Erfahrungen in Sachsen-Anhalt
Am 02. Februar diesen Jahres dann konnte ich endlich in das ostdeutsche Dreiländereck nach Naumburg fahren und weitere Blicke über den Tellerrand wagen. Einfacher für mich ist es halt, einen Kompaktkurs zu besuchen, als eine Mehrzahl von Wochenenden sicher zusagen und dann doch irgendwann nicht zu können. (Der LV Rheinland Pfalz bietet übrigens dieses Jahr auch einen Kompaktkurs an – allerdings ohne die Möglichkeit eine Trainer C Apnoe Lizenz mit zu erarbeiten.) Ich hatte nun alle Voraussetzungen in der Tasche und, was viel wichtiger war, ich war mit meinen 50 Jahren gesund und begierig zu lernen!
Mit von der Partie waren ein Taucher aus dem Ruhrgebiet und eine Apnoistin aus Nürnberg, sowie sieben Taucherinnen und Taucher aus Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Das Alter oszillierte zwischen 17 und 57, die Berufe so vielfältig wie das Leben, was die Tage auch jenseits des Tauchens interessant gestaltete. Teilweise wurde vom Orientierungstauchen, Unterwasser Rugby und Flossenschwimmen aus den Heimatvereinen berichtet. Spannende Geschichten allesamt. Alsbald bildeten wir eine aufeinander bezogene Gruppe, die sich gegenseitig half. Ständig wurden Taucherlebnisse und ost- und westdeutsche (Tauch-)Geschichte geteilt und gegenseitiges Vertrauen stellte sich ein! Mir wurde bei einem „een Schälchen Heeßer“ das polnische Trimix erklärt (Wasser, Öl, CO2) und im Gegenzug klärte ich darüber auf, warum sich die Badenser und Schwaben historisch nicht grün sind und deshalb zwei Landestauchverbände haben. Hier schmunzelte man ungläubig darüber. Völlig entgeistert erlebte wohl unser Kamerad aus dem Ruhrpott uns andere hier – er ist seit vielen Jahren Buddhist und konnte sich gar nicht so viel vor weiße Wände setzen, wie er gebraucht hätte, um all das Menscheln hier zu transzendieren.
In dem Sporthotel in Naumburg war auch der Schulungsraum für die Theorie und nur rund 200 m entfernt das Schwimmbad für die praktischen Lehrzeiten. Das Essen, die Zimmer und das ganze Ambiente ließ es an nichts wesentlichem fehlen. Eine super Grundlage für viel Unterricht - sehr viel Unterricht! In den 10 Tagen sollte ich 10 Euro ausgeben – ab und an wollte ich einen anderen Automatenkaffee, ansonsten blieb keine Zeit für Extratouren.
Mein persönlicher Tag begann 5:45 Uhr mit meinem 8 km Lauf.  Am zweiten Tag erlitten wir einen Wintereinbruch und ich durfte bei bis zu -9°C meine Läufchen machen. Nach einem Frühstück ab 7 Uhr ging der Unterricht um 8:00 Uhr pünktlich los. Geladen waren ausschließlich motivierte und inspirierende Fachleute mit sowohl hoher Theoriekenntnis, als auch Praxiswissen. Abends waren mehrfach Praxiseinheiten im Bad in den Bereichen „Ausbildung mit dem DTG“, als auch „Apnoeausbildung“ im Streckentauchen und Zeittauchen, sowie die Absicherung von Apnoetauchgängen. Ziel war bei der Praxisausbildung, dass wir Tauchanfänger sicher und richtig anleiten können. Kinder und Jugendliche als Zielgruppe waren als besonders zu schützende Tauchanfänger besonders im Blick. Rollenspiele übten das neue Erfahrungswissen ein.


Die Theorie umfasste die Optimierung unserer RettungsfähigkeitenBild "Seminarberichte:Trainer-C-LVST-Thringen_04.jpg" und der HLW, Trainingslehre, Didaktik und Methodik, Ausrüstungskonfiguration, Recht und Versicherung, Lehrmethoden, Tauchmedizin, Menschenführung, Yoga und Atemübungen, Apnoekenntnisse, Süßwasser- und Meeresbiologie und Ökologie... Kurz: eine umfassende Schulung!
Eine besondere Herausforderung war für uns auch, dass ein grippaler Infekt in unserem Kurs die Runde machte und man teils den Eindruck hatte, auf einer Krankenstation zu sein. Alle kämpften sich irgendwie durch. Abends um 21 Uhr waren die Schulungen und Praxiszeiten zu Ende und so mancher durfte dann noch in Spätschichten seine zwei Fachvorträge für die Abschlussprüfungen erstellen. Freitags wurde dann ab Abends gebüffelt für die Theorieprüfung am Samstag. Am Samstag wurden ebenso die praktischen Prüfungen im Schwimmbad abgehalten und hiernach die Referate gehalten. Bestanden haben wir  nach dem vielen Input vorher - alle!
Glücklich nahm auch ich meine beiden Trainer C Lizenzen in Empfang. Lange hatte ich auf dieses Ziel hin gearbeitet und durfte nun dieses Projekt zum guten Ende bringen. Dennoch wurden wir nochmals ernst darauf eingeschworen, dass die eigentliche Ausbildung nun erst beginne! Es gelte Praxis zu sammeln, um gute Trainer zu werden. Und vielleicht sieht man sich ja dann einmal wieder zum TL1 Kurs in Naumburg. Mal sehen, ob und wie lange ich Olegs ganz unverbindlicher Einladung  widerstehen kann.
Einhelliges Empfinden aller Beteiligten war, dass wir eine qualifizierte Ausbildung erhalten haben und den Besuch zukünftigen Kandidaten ohne Einschränkungen empfehlen können.

Fazit
Einen Vergleich zur Trainer C Ausbildung im eigenen LV kann ich nicht anstellen, ich kenne sie nicht. Sicherlich hat es auch große Vorteile in der Region für die Region zu lernen: So entstehen bestimmt gute Netzwerke, die einem bei der Vereinsarbeit sehr helfen können. Die Einbindung in die Arbeit des Landesverbandes und erste Kontakte zu dessen Organen sind so vermutlich gut möglich. Für mich überwogen andererseits die oben ausgeführten Gründe und sie führten mich entsprechend in die Ferne. Ich würde mich sehr freuen, diesen etwas anders ausgestalteten Erfahrungsschatz im eigenen Verein teilen zu dürfen.  

Danke!
Besonderer Dank gilt meiner Familie, die mich bei meinen Aktivitäten unterstützt, anderweitig entlastet und mich tauchen gehen lässt, obwohl sie nicht immer sicher nachvollziehen kann, was mich dazu antreibt!

Armin