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DTSA Apnoe**/*** - Seminar am 11. und 12.08.2018, geleitet von Marion, Karl und Marc, Bericht und Bilder von Armin


Das Seminar ist sehr selten geworden in Deutschland! Das DTSA Apnoe komplett an einem Wochenende absolvieren zu können ist, aufgrund der vom VDST erfolgten Schwerpunktbildung von Strecken- und Zeittauchen auf der einen Seite und Tieftauchen auf der anderen Seite, allzu selten geworden. So kam dann sogar ein Kandidat aus Köln in die Pfalz.

Die wichtige Lernerfahrung des Seminars war m.E. die Vermittlung von Freude am Apnoetauchen. Empfindbar wird die Freude jedoch erst, wenn Sicherheit gegeben ist. Und die wird vor allem durch Wissen und Können herstellbar. So lernten wir acht Männer und eine Frau also primär Sicherheit herzustellen an diesem Wochenende – und erfuhren dabei Freude am Apnoetauchen...

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Karl baut Kurs für Streckentauchen auf


Samstag, 11.08.2018: Theorie Unterricht in der Sportschule Schifferstadt

Eingangs zitierte Karl Guillaume Nery, einen französischen Freitauchprofi: Orientiere dich immer am „Warum“ und nicht am „Wie viel“. Hieran entspann sich eine erste Diskussion über die teilweise verbreitete Verliebtheit in Zahlen, die Tiefen, Längen und zeitliche Dauer eines Tauchgangs metrisch erfassbar machen. Nüchterner kommt da schon die erste VDST Regel daher: „Ausbildungsziel für das Apnoetauchen ist die Freude an der Erkundung der Unterwasserwelt mit angehaltenem Atem“. Demgemäß blieben die neuen Ambitionen des VDST, Wettkampf Apnoe in das Portefeuille des Verbandes zu integrieren unbesprochen.

Zentrale Lerninhalte in den drei Theorieblöcken waren neben der Diskussion der 10 DVST Regeln für das sichere Apnoetauchen „alle Schrauben an denen man drehen kann“, um die eigenen Apnoefähigkeiten zu fördern:
In Theorie und Praxis war an diesem Wochenende die Vermittlung und Erfahrung von Entspannungs- und Atemübungen Thema. Von progressiver Muskelentspannung, Streching, Hatha-Yoga über Pranayama, autogenen Training bis hin zur Traumreise wurde in verschiedene Methoden und Techniken nachlebbar eingeführt.

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Bleicheck am Teller
Die Effekte für das Zeittauchen am Nachmittag wurden allen (auch in zeitlich-metrischer Hinsicht) deutlich, als eine Art „Vorher – Nachher“ Test erfolgte und alle ihre Tauchzeiten deutlich verbesserten.
Etwas ernüchternd die Erkenntnis, dass wir zu alt sind, noch unseren Körper physiologisch für das Apnoetauchen zu formen. Aufrichten konnten wir uns aber daran, dass Ausdauer- und Intervalltraining, Entspannung und Atemübungen und effiziente Trainingsmethoden eben doch gute Effekte und schöne Erlebnisse unter Wasser möglich machen.

Im zweiten Theorieblock wurden medizinische Themen vermittelt. Effekte des Tauchreflexes auf das Herz-Kreislaufsystem und die Lunge wurden vielseitig medial vermittelt und, die drei grundlegenden Möglichkeiten einen Druckausgleich zu erzeugen, erklärt. Was ein „Loss of Motor Control“ – ein sog. „Samba“ ist und wie die verschiedenen Formen eines Blackouts entstehen und, wie die Folgen  aussehen könnten, wurden erlernt.
Dass man ab ungefähr 30 Meter Tiefe mit dem Druckausgleich Schwierigkeiten bekommt, die mit einem gelernten „Mouthfill“ behoben werden können, blieb an diesem Wochenende Theorie: So tief ist unser Schulungssee Binsfeld nicht – bei 18,6 Metern war am Sonntag beim Tieftauchen jedenfalls Schluss.

In einem dritten Theorieblock kam die Ausrüstung zur Sprache. Was ein „Lanyard“ ist, wurde beispielsweise erklärt und auf die Vorzüge verschiedener Apnoeflossen und „Fluid-goggles“, sowie Masken mit geringem Volumen wurde eingegangen.
Das Thema Umweltschutz durfte nicht fehlen, da aber alle auch Inhaber von Gerätetauchbrevets sind und so Kenntnisse vorausgesetzt werden dürfen,  wurde vor allem auf den bedachten Einsatz der längeren Apnoeflossen eingegangen.
Schwerpunkt des dritten Blocks war die Vermittlung von Praxiskenntnissen für das nachmittägliche Tauchen.
Impulskontrolle erlernen durften wir, als das vielfältige Mittagsbuffet aufgebaut wurde, versehen mit dem Hinweis, dass bei einem vollen Magen wenig Platz für die Lunge im Leib bleibt. Alle fanden wohl einen Mittelweg und bald darauf fuhren wir zum See für die Praxiseinheiten.

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Tauchbetrieb an Ruheboje und Streckentauchkurs


Praxis im Gänsedreck:
Karl demonstrierte ein spezifisches Briefing zu unseren Tauchgängen. Mit Bojen und einigem Blei zogen wir zum See.
Am Einstieg begannen wir ohne Bleigürtel mit dem Zeittauchen. Marion und Karl führten die Partnersicherung vor. Dann begannen wir mit einem Tauchgang, der maximal 4 Minuten dauerte. Hiernach gab es drei Minuten Vorbereitungszeit für sechs eine Minute dauernde Tauchgänge. Diese alternierten: einer mit eingeatmeter Lunge, einer mit ausgeatmeter Lunge. Sodann folgte eine weitere drei minütige Pause und ein abschließender maximal 4 Minuten langer Tauchgang.
Weiter ging es mit Bleigürtel im See. Zunächst fixierten wir an einem Führungsseil den Teller auf 8 Metern und machten einen Bleicheck für das Tieftauchen am nächsten Tag. Sodann erfolgte ein zweiter Check auf 4 Metern hinsichtlich des Streckentauchens.

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Tauchbetrieb am Streckentauchkurs
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Dann bauten wir den Streckentauchkurs auf. Ich half Karl dabei. Als DTSA Apnoe***-Aspirant bekam ich langsam ein mulmiges Gefühl, als das 60 Meter Reel von Karl abgespult wurde und einfach nicht enden wollte. Ich wusste, ich dürfte diese 60 Meter Strecke tauchen für das Brevet…
Wir tauchten uns mit kürzeren Strecken um die 20-30 Meter ein, um dann die geforderten Weiten für Silber und Gold abzuleisten. Für einige von uns wurden Grenzerfahrungen möglich. Letztlich geschafft wurden die Anforderungen von allen.
Der Tag wurde mit einem gemeinsamen Abendessen in einem nahen Restaurant abgeschlossen.

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Optimierungsmöglichkeiten werden von Karl nach jedem TG vermittelt


Sonntag, 12.08.2018 Zweiter Praxistag und Theorieprüfung
Heute war dankenswerter Weise der erfahrene Apnoist und Tauchkamerad Mark dabei, der Marion und Karl bei der Begleitung und Absicherung der Tauchgänge unterstützen würde. Ihr Standard ist, dass jeder Tauchgang mit jeweils einem Ausbilder bis zur Maximaltiefe gesichert wird, die Entlastung durch Mark ist daher evident.

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Progressive Muskelentspannung am Parkplatz Gänsedreck vor dem Tieftauchen


Um 9 Uhr trafen wir uns alle am Ausbildungssee und begannen auf einer Wiese mit Aufwärmübungen, PMR, Hatha Yoga und Atemübungen. Solchermaßen vorbereitet zogen wir mit zwei Bojen zum See und versenken deren Grundblei am Trichter. Mit dabei war auch eine Ruheboje für die Buddy-Teams, die gerade nicht tauchen. Manche von uns ließen sich später auch beim Entspannen und Atmen von Schwimmnudeln unterstützen.
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Fertigmachen zum Tauchen am Einstieg


Instruiert wurden wir von Marion und Karl über die Partnersicherung. Korrekturen würden dann nach jedem Tauchgang kurz angesprochen. Wir begannen mit Tauchtiefen von acht- und später 12 Metern, auf denen wir den „Teller“ fixierten.

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Aufbruch zum Trichter in Urlaubsatmosphäre!


Die zu erlernende Partnersicherung umfasst das zeitgerechte Nachtauchen, um den Taucher rechtzeitig in aufrechter Position auf halber Tiefe zu empfangen. Der gemeinsame Aufstieg wird unterstützt durch gezieltes Beobachten von Augen und Zwerchfell des Tauchers, ggfs. eine sichernde Hand unter der Achsel und die andere Hand sichernd am Seil, um einen plötzlich absackenden Taucher (Flachwasser – Blackout) abzufangen.
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Konzentration vor dem Abtauchen

Nach je zwei Tauchgängen durften wir auch in tieferes Wasser. Ich steckte letztlich meinen Tauchcomputer in den Mulm am Boden und kam so auf 18,6 Meter.
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Abtauchen bei schlechter Sicht

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Gesicherte Rückkehr
Alles Geübte abrufen durften wir in den abschließenden Rettungsübungen, bei denen die Aufgabe war, einen verunfallten Taucher aus der Tiefe rasch an die Oberfläche zu bringen, an der Boje zu sichern und mittels lauter Namensnennung, Maske absetzen und Anpusten wieder zu Bewusstsein zu bringen (Tap, Blow, Talk).
Letzte Tauchwünsche wurden erfüllt und dann galt es alles abzubauen und zurück nach Schifferstadt in die Sportschule zu fahren.

Die Mittagspause wurde uns mit Kaffee und einem sehr angemessenen Kuchenangebot versüßt.
Eine Traumreise auf Yogamatten im Foyer der Schule rundete unser Wissen um Entspannungsmethoden ab.
Dann stimmten uns  Marion und Karl mit einem Prüfungsquiz für die abschließende Theorieprüfung ein.
Der schriftliche Test dauerte je nach Brevet 40 bis 60 Minuten. Tenor der Prüflinge war später, dass die Fragen einiges an Wissen voraussetzen. Auch wenn wir alle letztlich auch diese Prüfung bestanden, gaben unsere Antworten eben doch Anlass zu dem einen oder anderen Schmunzeln der Prüfenden.

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Apnoe Idyll am Gänsedreck


In einer abschließenden Feedback Runde gab es viel Lob, keine Kritik und wenig Hinweise, wie das Seminar noch besser gestaltet werden könnte – es war bereits spitze! Viel Erfahrung, große Motivation und Herzblut der Leitenden für die gute Sache waren deutlich geworden. Hierfür von allen Teilnehmenden vielen lieben Dank!


Armin Wunder, TSC Speyer e.V.
Mannheim, den 12.08.2018