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VALLE VERZASCA 24.-27. Mai 2001, von Christine


Wir stehen auf der Römerbrücke bei Lavertezzo, sehen die Kräusel an der Oberfläche des wilden Flusses und können uns im ersten Moment nicht vorstellen, da zu tauchen. Das Wasser ist ziemlich hoch, höher als in den vergangenen Jahren. Trotz des schönen Sommerwetters, die vielen Plakate auf der Herfahrt durchs Valle Verzasca mit dem Hinweis "So schön ... so gefährlich!" sind uns immer noch vor Augen.

Ein lang gehegter Wunsch, endlich auch einmal in der Verzasca zu tauchen, steht fast auf der Kippe. Die üblichen vier Tauchplätze werden genauestens überprüft und nur der an der Römerbrücke wird uns einen Einblick in die faszinierende Unterwasserwelt dieses Wildwasserflusses gewähren.

Fünfzehn Taucher vom TSC Speyer und fünf von befreundeten Vereinen bilden ein gutes Team. Die vielfältigen Vorbereitungen haben schon eine Woche zuvor mit der Theorie begonnen. Unser erfahrener TL Manfred Bohn leitete das Sonderseminar "Strömungstauchen im Wildwasser". Vor Ort müssen Ausrüstungs- und Sicherungsequipment wie besprochen installiert werden.

Ein Taucher mit Buddyleine macht sich auf, eine Sicherungsleine zum gegenüberliegenden Ufer zu bringen. Der erste Versuch misslingt. Unfähig gegen den Strom anzuschwimmen, gerät er sogleich in den Sog und schneller als die Sicherungsmannschaft ihn zurückziehen kann, wird er über einen flachen Felsabsatz gespült. Ein D-Ring ist ausgerissen, doch glücklicherweise kann er ohne Schrammen beim nächsten Versuch die Sicherungsleine anbringen. Noch zwei weitere Strömungsleinen werden ausgelegt, dann können die ersten Taucher ins Wasser gleiten.

Beim Einstieg überrascht das Wasser mit 13°C und einer Sichtweite von mindestens 5 Meter. Eine nach unten überhängende Wand mündet in einer Grotte. Angenehmer Strömungsschatten läßt den Tauchgang gemächlich beginnen. Köcherfliegenlarven liegen zu Tausenden auf dem Sandboden zwischen braunem Laub. Kiesel und glattgeschliffene Steine finden wir weiter in der Mitte des Flussbettes. Die Felswände zeigen keinerlei scharfe Kanten. Von der Strömung erfasst, arbeiten wir uns langsam am Boden vorwärts, immer an größeren Steinen festhaltend.

Die späte Nachmittagssonne taucht die Biegung in goldenes Licht. Glimmer glitzert, Farbspiele an den Wänden treten hervor. Forellen flitzen vorbei. Unsere Atmung geht schneller, die Strömung wird sehr stark. Ein kurzer Blickwechsel mit dem Tauchpartner, wir lassen los und treiben in kurzer Zeit zurück um die Biegung, wo wir ohne Mühe aus dem Sog heraus in den Strömungsschatten und ins Dunkel der Grotte schwimmen. Nach drei oder vier Versuchen, immer noch etwas weiter nach vorne zu kommen, zeigt der Finimeter das Ende des Tauchgangs an. Begeistert klettern wir aus dem Fluss, über die Felsbrocken am Ufer, durch die vielen schaulustigen Touristen, die uns vielleicht für Verrückte halten.

Am nächsten Morgen ist der Fluss noch etwas weiter gestiegen und dafür die Wassertemperatur auf 9°C gefallen. Wieder zieht es uns zur Römerbrücke, keiner bedauert, hier noch einmal zu tauchen. Diesmal haben wir die Sonne im Rücken und die Grotte ist hell und freundlich. Alles ist verändert, die Farben kommen noch schöner zur Geltung.

Den nächsten Tauchtag verbringen wir im südlichen Maggiatal, in Ponto Brolla. Der Fluss führt auch hier viel Wasser. In einer Haarnadelkurve bildet er eine Sandbank und wir freuen uns über den bequemen Einstieg. Die Sicht ist nicht so gut, doch entschädigen uns die vielen großen Barben, die gar nicht scheu bis an die Maske schwimmen.

Die Tage im Valle Verzasca, das auch über Wasser viele optische Reize bietet, gehen leider viel zu schnell vorbei. Unser Kurztrip, begleitet vom Hoch "Rita", ist dank der guten Vorbereitung sehr gelungen. . . . und ganz sicher, wir waren nicht zu letzten Mal da . . .