Logo
|

Zu Gast bei dem Verbandsgewässer Steinbruch Schönbach des Hessischen Tauchsportverbands am 17.08.18, von Armin


Gerade eine Woche war es her, dass ich in unserem Verein das DTSA Apnoe*** ablegen durfte, da zog es mich nach Schönbach zum Apnoetauchen – das Gelernte ohne Prüfungscharakter ausprobieren. Die zweistündige Anfahrt ließ mich zunächst etwas zweifeln, ob der Aufwand wirklich gerechtfertigt war.
Dann aber sah ich den See!

Bild "Reiseberichte:schoenbach2018_1.jpg"
Der See

Im Wald gelegen, war der Steinbruch als solcher sowohl über, als auch unter der Wasseroberfläche klar zu erkennen. Ein Häuschen beherbergte den TLvD, der die Brevets und die gültige TTU überprüfte. Da ich externer Taucher war, wechselten noch 10 EURO den Besitzer. Dann war ich formal startklar.

Bild "Reiseberichte:schoenbach2018_2.jpg"
Torsten mit Monoflosse

Der See im Steinbruch habe eine maximale Tiefe von rund 30 Metern, instruiert mich Torsten, ein versierter Sicherungstaucher. Mehrere Bojen, die zu verschiedenen Tiefen Führungsseile spannen, bieten Übungsmöglichkeiten. Zu dritt wollten wir uns das mal genauer anschauen.
Unterwegs im See waren auch ein Apnoe SK2 und ein paar Gerätetaucher. Wie an einem Badesee konnten wir uns auf einem Schwimmponton vorbereiten und einsteigen.

Bild "Reiseberichte:schoenbach2018_3.jpg"
Das TlVD-Häuschen

Die Vorbereitung mit Yoga und Atemübungen hatten wir aufgrund der fortgeschrittenen Stunde ersetzt durch zwei Tauchgänge mit leerer Lunge auf 4 Meter. Bis der Druckausgleich eben nicht mehr klappt und sich der Brustkorb in etwa wie auf 30 Meter Tiefe anfühlt.
Dann gingen wir rasch auf 12- und 18 Meter Tiefe. Gegenseitige Sicherung klappte gut, ein kräftiger Zug am Seil zeigte den Aufstieg des Tauchers an. Etwas gruselig fühlte es sich an, als ich, wie gebrieft, das Seil alleine auf 18 Metern verließ und in einigen Metern Entfernung im Halbdunkel ein Boot suchen durfte.

Bild "Reiseberichte:schoenbach2018_4.jpg"
Steinbruchsee

Etwas erleichtert war ich dann doch, als ich zurück tauchte: „Das Führungsseil ist noch da…“ und ich zunächst zu einer Ausbildungsplattform etwas höher gelangte. Dort wurde ich in Empfang genommen, um den weiteren Aufstieg gemeinsam fortzusetzen. Dass man mich von weiter oben gut beobachten konnte in der Tiefe, war mir nicht klar gewesen. Aber die beiden Kameraden gaben gut auf mich Acht, ohne dass es sich blöd anfühlte.

Bild "Reiseberichte:schoenbach2018_5.jpg"
Am See Baumbewuchs

Torsten war mit Monoflosse unterwegs und war schnell – sehr schnell. Eine Sicherung war fast nicht möglich. Weil er keine Lust auf Blei schleppen hatte, war er mit einem 2,5 mm Anzug unterwegs. Das bereute er dann doch zunehmend, als wir an die nächste Boje zogen.

Bild "Reiseberichte:schoenbach2018_6.jpg"
Karpfen

Das Führungsseil hat zur Kenntlichmachung verschiedener Tiefen Teller, Quietsche-Entchen usw. als Tiefenanzeige, bis man an einen weißen Plastikeimer bei 28 Metern trifft, gefüllt mit Zement. Das mit dem Zement habe ich unten angekommen einfach mal ungeprüft geglaubt.
Auf dem Weg nach unten wurde es, nicht wirklich überraschend, zunehmend kalt und dunkel. „Das Seil ist dein Freund“ – eine Lehre von Karl vermittelt, ging mir durch den Kopf, als ich auf dem Weg nach unten Fahrt aufnahm und mich fallen ließ. Auch innerlich ließ ich los, ließ es geschehen, schaute nur auf die Maserung des Seils, die immer schneller wechselte. Dann wieder - kopfübertauchend – ein kontrollierender Blick Richtung Wasseroberfläche, wo es heller war. Der Druckausgleich wird seltener mit zunehmender Tiefe. Ich schiebe etwas Luft in die Backen nach, für die letzten Meter.

Bild "Reiseberichte:schoenbach2018_7.jpg"
Entspannte Ufererkundung

Glücklich „am Eimer“ angekommen schaute ich mich kurz um und zog am Führungsseil kräftig – Zweifel sollten oben nicht aufkommen, ob ich auf dem Weg nach oben war. Mit meinen Flossen gab ich nun doch etwas Gas. Genug Sauerstoff hatte ich ja da unten, wie ich im Seminar am Wochenende lernen durfte, aber der Kopf meldete sich: Es war Zeit noch oben zurückzukehren.
Auf halber Tiefe holte mich Torsten ab. Ich versuchte entspannt zu bleiben und „den Fahrstuhl“ auszunutzen – den Auftrieb von Neopren und Lunge arbeiten zu lassen und so Luft zu sparen. Ein paar Flossenschläge legte ich nach, als es subjektiv lange dauerte, bis es heller wurde. Torsten war bei mir, blickte mir ruhig in die Augen, dann auf mein verräterisches Zwerchfell – ob es wohl schon anschlägt?

Bild "Reiseberichte:schoenbach2018_8.jpg"
Selfie im See

An der Oberfläche angekommen drei Atemzüge, ein Ok-Zeichen und der weiterprüfende Blick der Sicherung. „Klasse dieses Gefühl! Selbstverständlich lohnte es sich soweit hier raus zu fahren, gar keine Frage.“ Zwei weitere Abstiege machten wir, dann wurde das Licht schlechter und wir hatten auch eigentlich genug.
Also gingen wir „Fische gucken“ am Ufer. Bäume am Ufer, deren Wurzeln tief ins Wasser reichen bieten Schutz und Deckung für Hechte. Mit der Einbleiung fürs Tieftauchen hatten wir jetzt natürlich ein kleines Problem – eine Frage aus der Apnoe** Theorieprüfung letztes Wochenende.

Bild "Reiseberichte:schoenbach2018_9.jpg"
Einstiegsponton

Dann bekam ich ein Zeichen von einem weiteren Kameraden: Ich sollte rüberkommen. Rasch wurde mir klar warum: Ein halbes Dutzend riesiger Karpfen zogen neugierig in nächster Nähe um uns Taucher ihre Bahnen. Ohne Atemgerät waren wir natürlich leiser unterwegs und vertrieben sie nicht. Der Blitz meiner Kamera schien sie auch nicht weiter zu stören. Wegen der Reflexionen im Wasser stellte ich ihn dennoch aus.

Bild "Reiseberichte:schoenbach2018_10.jpg"
Ufererkundung

Dann waren eineinhalb Stunden rum und wir gingen zurück zum Parkplatz. Mit leuchtenden Augen machten wir unser Nachbriefing und berichteten von unseren Erlebnissen.

Bild "Reiseberichte:schoenbach2018_11.jpg"
Ausstieg

Ein weiteres „Nachbriefing“ machte ich mit der Freisprechanlage in meinem Auto, als ich meine Mutter anrief und ihr vom Erlebten berichtete. Sie freute sich mit mir.


Armin Wunder, TSC Speyer e.V.  
Mannheim, 17.08.2018