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Tauchsafari Rotes Meer


14 Tage Tauchsafari Rotes Meer- Nationalparks incl. Südtour im November 2009, Manfred Bohn
Am 26.11. war es soweit. Tatjana war zum ersten Mal und ich seit ewiger Zeit mal wieder auf einer Tauchsafari. Los ging es in Hurghada.
Das Boot war die Seawolf Soul, 36m lang, mit 2x 750 PS. Es war ein nobler Kutter. Gefahren wurde zum Großteil bei Nacht, so dass genug Zeit zum Tauchen vorhanden war.
Eingetaucht hatten wir uns an den Riffen vor Safaga: Den Checktauchgang machten wir am Gota Abu Ramada, eine Sandkaut mit ein paar Blöcken, bei 12 Ltr. Aluflasche 4 kg Blei, sage ich nur. Aber dafür hat bei mir das Brilleausblasen und das Angeln des Automaten ganz gut geklappt (bei Taty auch!).
Danach ging`s zum Panorama Reef und zum Abu Gafan Reef. Hier war schon wesentlich mehr los:
Stachelmakrelen, Buckelköpfe, gr. Napoleon, Torpedorochen, richtig große Barakudas aber auch kleine Sehenswürdigkeiten, wie ein Langschnauzenbüschelbarsch, Leierfische usw. waren zu sehen.
Endlich eingetaucht wurde es spannend. Zum ersten Mal fuhr ich an die Brothers.
Wir tauchten 3 Tauchgänge am kleinen und 2 Tauchgänge am großen Bruder. Am kleinen Bruder gibt es ein Ost- und ein Westplateau. Beide Plätze sind klasse.
Große Schulen von Stierkopfschnapper, Schwarze Schnapper, Mehrstreifen-füsseliere und immer wieder Barakudas, Makrelen und Thunfische auf der Jagd.
Es gibt dort natürlich auch Kugelfische, Kofferfische, alle möglichen Falter-, Kaiser-, Flöten- und Kaninchenfische. Es wimmelte gerade so.
Doch wenn man Fuchshaie aus 5 -10 m Entfernung beobachten kann, bleiben auch die Napoleons oder die Schildkröten etwas im Hintergrund.
Nach den Tauchgängen am großen Bruder, an dem wir die Numidia und die Aida betauchten und auch wieder das volle Fischprogramm hatten, ging es Richtung Süden. Ins Warme sozusagen, denn im Norden waren es ja gerade mal 25-28°C und das Ende November!!!! Tatjana hatte hier ihren ersten Tauchausfall. Die Ohren machten nicht mehr so richtig mit.

Das erste Riff nach den Brüdern war das Deadalus Riff (Tatjana musste den ganzen Tag verzichten).
Das Riff ist durchaus mit den Brothers vergleichbar. Super Bewuchs und viele Fische. Und……..2 Hammerhaie, allerdings bestimmt 20 m unter uns und wir waren schon auf 40 oder so.
Danach ging es zum Rocky Island. Unterwegs besuchten uns eine Gruppe Tümmler. Wir duften sie aber nur über Wasser beobachten. Nach dem Ausfall von 4 Tauchgängen und gehörigem Frust, ging Tatjana der Erkältung an den Kragen. Alles wurde geschluckt, Hauptsache es hilft. Und… es hatte sich gelohnt.
Es gab Buckelkopfmakrelen von ca. 1,50 m Länge, gr. Thunfische und dann sahen wir den ersten grauen Riffhai. Zwar etwas entfernt, aber doch sehr deutlich.
Kurz später standen wir bei 40 m Tiefe in der Strömung, als sich ein Hammerhai näherte. Wir konnten ihn schon früh erkennen. Er schwamm direkt an uns vorbei, machte eine Schleife und schwamm zwischen Riffkante und uns im Abstand von etwa 1,5 m, kreiste noch einmal, bevor er sich wieder verabschiedete. Hoch zufrieden genossen wir die 2 Tauchgänge am Rocky Island.

Nun steuerten wir unser südlichstes Ziel, die Riffe von St. Johns an. Ich hätte nicht gedacht, dass die Wasser- wie auch die Lufttemperatur hier deutlich höher waren als im Norden Ägyptens.
Ok, Haie hatten wir keine, aber das tat der Qualität der Riffe keinen Abbruch. Bei einem Nachttauchgang durch eine kleine Höhle schwamm eine Riesenmuräne hinter Tatjana her, sie war wirklich riesig. Danach tauchte sie im Kuschelabstand weiter. Nachdem wir wieder am Boot ankamen, sagte unsere Besatzung, dass sie einen Longimanus in unserem Lampenlicht sahen. Es war, glaube ich, ganz gut, dass wir diesen nicht auch noch vor der Maske hatten.
Es waren wirklich super schöne Riffe. Nach 3 Tagen ging es schon wieder langsam Richtung Norden.
Die Riffe von Gimal oder Shaab Sharm waren halt nicht mehr so gut, wie die aus den Naturparks, aber wir hatten trotzdem gute Tauchgänge und sehr schöne Nachttauchgänge: Gorgonienhäupter, Bischofsmützen, Porzellankrebse und Garnelen satt, genauso wie verschiedene Füsselierschwärme und das nachts.

2 Tage später, in der Höhe von Marsa Alam, ca. 80 Meilen vom Ufer entfernt ist das Elphinstone Riff. Hier erlebten wir das absolute Highlight unserer Tauchreise, aber der Reihe nach.
Das Riff hat ein Nord- und ein Südplateau und immer Strömung. Auf dem Nordplateau gibt es einen Canyon, 46m tief und den sog. Torbogen 56m tief. Am Südplateau gibt es den Durchbruch mit dem Sarkophag, Unterkante 52 m. Soviel zur Landschaft. Die Qualität ist mit dem von Daedalus oder Abu Kafan vergleichbar, deshalb lasse ich mich nicht besonders über die Fische und den Bewuchs aus.
Achtung, jetzt kommt's: In der Tauchpause nach dem ersten Tauchgang döste alles in der Sonne, plötzlich sagte jemand in die Stille „Longimanus am Boot“. Im Nu war alles wach. Tatsächlich schwamm ein Weißspitzen Hochseehai um unser Tauchboot und wechselte von Zeit zu Zeit zu einem Zweiten das etwa 60-70 m von uns entfernt fest gemacht hatte. Nach einer Weile war leider der Spuk vorbei. Als wir später dann wieder ins Wasser sprangen war ich der Erste. Ich beobachtete den Sprung von Tatjana und wir ließen uns gaaaanz langsam absinken (Die Ohren waren immer noch nicht ganz in Ordnung). Plötzlich aus dem Nichts tauchte der Longimanus wieder auf und schwamm neugierig auf uns zu. Da Taty mit dem Rücken zum Hai positioniert war, war sie auch völlig ahnungslos und bekam nichts mit. Noch nichts!!! Ich gab ihr möglichst relaxt Zeichen "Hai hinter dir". Sie drehte sich locker um und der Hai war auch schon da. Er schwamm direkt auf uns zu und erst greifbar nah, drehte er ab und zog seine Kreise. Es war echt der Hammer, ein Hochseehai so nah. Ich glaube, Taty war ganz froh nicht alleine im Wasser gewesen zu sein. Mittlerweile kamen auch die Anderen ins Wasser und wurden von dem Hai beäugt. Es war einfach grandios, den Hai zu erleben und der hatte auch irgendwie an Tatjana seinen Narren gefressen. Immer wieder kam er greifbar nah zu uns. Bestimmt eine halbe Stunde ging das so. Alle hingen ganz einfach im Wasser und bestaunten den Hai. Manche wirkten etwas angespannter als sonst. Es war das ultimative Topperlebnis.

Als nächstes fuhren wir zu den Riffen von Marsa Alam. Auch auf dieser Fahrt bekamen wir wieder Besuch. Dieses Mal war es eine Delfinschule, bestimmt 40 Stück. Shaab Shona, Mangroven Bay, K 12, Shaab Sheer wurden betaucht und wir hatten immer noch spektakuläre Tauchgänge. Schlangenaal, Krokodilsfische, Torpedobarsche waren zu sehen. Überwältigend war das Tunneln in einem Sardinenschwarm.
Am zweitletzten Tauchtag kamen wir in die Nähe von Safaga und tauchten an der Salem Express. Nicht zu fassen, zu was manche Taucher fähig sind. Sporttaschen, Kinderspielzeug, Handtaschen, Kleidungsstücke, alles Mögliche war irgendwann aus dem Boot geholt worden und lagen jetzt auf dem Meeresboden verstreut. Mir wurde ganz anders und ich schämte mich richtig für diese Idioten. Zur Erklärung: Die Salem Express ist eine Fähre die nach einer Pilgerfahrt nach Mekka auf dem Rückweg mit ca. 1300 Personen an Bord gesunken ist. Ganze hundertundirgendwas der Schiffsbrüchigen konnten gerettet werden. Nach dem Unglück wurde die Stelle gesperrt und von der Marine wurden alle Zugänge verschweißt. Aber......, gegen Habgier gibt es scheinbar nichts Dauerhaftes. Nach diesem bedrückenden Tauchgang, fuhren wir zu den Riffen vor Hurghada.

Beim zweitletzten Tauchgang am Abu Ramada sahen wir auf dem Rückweg zum Tauchboot einen Adlerrochen fliegen. Wie ein großer Vogel schwebte er durchs Wasser. Wir versuchten natürlich sofort uns ihm zu nähern ohne ihn zu vertreiben. Nachdem wir schätzungsweise 10 -15 min. mit ihm tauchten, hatte ich keinen Dunst mehr, wo unser Boot vor Anker lag. Als ich auftauchte um den Kompasskurs zu erspähen, war das Boot nur noch ungefähr 6 cm groß zu sehen. Schleunigst machten wir uns auf den Rückweg. Na ja, die Flasche hat geradeso gereicht um noch mal das Jacket auf zu blasen.
Den letzten Tauchgang machten wir an einem Kriegsschiff in der Hafennähe von Hurghada. Es liegt auf der Seite, so dass das Durchtauchen nicht immer ganz einfach ist, aber mir hat es Spaß gemacht. Vom Bewuchs her war es nicht so üppig, wie man es von anderen her kennt.

Dann hatten wir es gepackt. Nach 2 schönen Wochen an Bord wurde jetzt gespült, geputzt, getrocknet und verstaut. Am letzten Abend gingen wir noch mal auf die Shoppingmeile um dann bei Discomusik bis morgens um 03:00 die letzte Nacht auf dem Boot zu verbringen.
Mit der Safari waren wir rundum zufrieden. Und nicht nur mit den Tauchgängen. Das Boot war prima, das Essen gut und reichlich (eigentlich wollten wir abnehmen). Die Bootsbesatzung hilfreich und aufmerksam und die Guides kannten sich aus und machten ein gutes Briefing. Was will man mehr. Bei den Gästen gab es trotzdem welche, die was zu meckern hatten. Aus unserer Sicht: Die 2-Wochensafari durch die Nationalparks des Roten Meeres ist nur zu empfehlen.
Ach ja, auf dem Boot gab es auch Nitrox for free (für die, die es möchten…).

PS:
Tatjana ist ja so eine gute Seele und sehr tierlieb. Also wollte sie unbedingt als Tierflugbegleiterin tätig sein und einen Hund aus Ägypten nach Frankfurt bringen. Um das Ganze noch zu ergänzen, hatte der Tierschutzverein noch einen klitzekleinen Wunsch: Wir könnten doch Charitygepäck mit nach Ägypten mitnehmen. Klar, kein Problem… Das Päckchen kam einen Tag vorher an: 1,20 x 0,80 x 0,60 und 30 kg schwer. Ich kann dir sagen…. Ich hatte den Karton reichlich mit Panzerband umwickelt, da ich nicht wusste, was so drin war. In Frankfurt ging alles klar. In Ägypten auch, wir konnten das Paket leicht ramponiert vom Band nehmen, fanden unseren Kontaktmann für die Safari und marschierten frohen Mutes Richtung Ausgang. Hier wartet der Zoll…. Scheinbar auf uns. Tatjana wurde gleich von 3 Bewaffneten umringt, da sie das "Päckchen" auf dem Wagen hatte. Aufmachen und so weiter. Die Jungs guckten immer böser und ich dachte, ich muss unbedingt die Kontaktperson vom Tierschutz finden. Der Geck war, sie wartete außerhalb des Flughafens. Ich lies also Taty mit den gastfreundlichen Beamten allein und suchte fieberhaft. Als ich die Dame entdeckt hatte, schmuggelte ich sie an einem Soldaten, der die Tür kontrollierte vorbei zum Zoll, um die Situation aufzuklären. Die Beamten dachten nämlich, Taty wollte das ganz Zeug (Verbandsmaterial) verhökern. Dabei wurde ich leider von dem Soldaten an der Tür gesehen, der dann wieder mich verfolgte. Das hat gedauert bis alles geklärt war………
Dafür hat es auf dem Rückweg besser geklappt. Statt einem Hund hatten wir 2 Katzen in der Transportbox, die wir in Frankfurt der wartenden Pflegestelle übergeben konnten.
Ich sag ja, Taty ist eine gute Seele und wir werden es wieder tun.
Fazit: Auch ohne Wenollkoffer gibt es spannende Flugreisen.