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EIN DÄMMERUNGSTAUCHGANG AM LIGHTHOUSE REEF / BELIZE 2003, von Christine


Langsam lassen wir uns an der Riffkante nach unten sinken. Die Sonne steht tief und der Tauchplatz leuchtet in warmen Farben. Unsere Augen versuchen das blaue Wasser vor uns zu durchdringen, doch außer ein paar Ocean Drückerfischen ist nichts zu sehen. Bewegungslos ragen Fächerkorallen, gelbe Gorgonien und lilafarbene Röhrenschwämme über den dichten, niedrigen Bewuchs an der schräg abfallenden Wand hinaus. Bunte Rifffische schwimmen geschäftig umher. Creolenfische zupfen an kleinen Flocken herum.

Bei näherem Betrachten stellen wir überrascht fest, dass ein Riesenschwamm von cirka einem Meter Durchmesser "überkocht". Wie im Märchen vom süßen Brei sprudelt aus der Öffnung eine dicke blassgelbe, schaumige Masse. Im Umkreis von Metern kleben überall Schaumflocken. Nicht weit entfernt ist ein zweiter Giant Barrel Sponge am Überschäumen. Der nächste Riesenschwamm schäumt jedoch nicht, dieser "raucht"! Eine trübe, gelbliche Flüssigkeit steigt deutlich sichtbar aus der großen Öffnung auf. Auf dem Weg nach oben finden wir zwölf aktive Schwämme, etwa gleich viele schäumende und rauchende. Dann fällt es uns ein, es ist März-Vollmond - Fortpflanzungszeit im Riff! Das Riffdach ist stark zerklüftet, wir tauchen gemütlich durch die kavernenartigen Spalten. Vor uns liegt ein Stachelrochen im Sandboden, eine große grüne Muräne lässt sich von einer Garnele putzen, eine Languste streckt ihre Fühler aus ihrem Unterschlupf. Junge gelbe Makrelen patrouillieren vorbei. Drei Yellowhead Jawfische suchen nach Fressbarem. Eine Hawksbill Turtle schwimmt zur Oberfläche um Luft zu holen.

Ein silberner Schatten nähert sich, ein großer Barrakuda? Nein! Riesige Schuppen blinken wie polierter Edelstahl im späten Sonnenlicht. Wir verhalten uns ganz ruhig und er kommt näher, fixiert uns. Reißt sein großes Maul auf und stülpt es nach vorne. Während wir noch überlegen, wie groß seine Beutefische sein können, schwimmt er langsam einen Kreis um uns... und plötzlich sind es zwei, dann kommt ein Dritter aus dem Grau. Die Sonne ist inzwischen untergegangen, die Sicht wird schlechter. Beinlang sind sie, imponierend groß und sehr nahe. Zwei weitere tauchen auf und reihen sich in den langsam kreisenden Reigen ein. Wir zählen immer wieder aufs neue, es werden immer noch mehr. Wie hypnotisiert bewegen wir uns kaum mehr von der Stelle. Elf große Tarpone umkreisen uns. Es wird zunehmend dunkel. Dann kommt Bewegung in die Gruppe, sie schwimmen schneller.

Wir müssen mittlerweile die Augen anstrengen, denn wir haben keine Lampe dabei. Ein kurzer Check, Luft haben wir noch genug, wir tauchen auf und lassen uns die Lampen ins Wasser reichen. Beim Abtauchen sind alle Tarpone noch da und ein großer Schwarm Großaugen-makrelen ist dazu gekommen und schwimmt ebenfalls im Kreis. Unsere Scheinwerfer lassen die Silberfische in ihrer ganzen Schönheit aufleuchten. Die Tarponaugen reflektieren die Licht-strahlen merkwürdigerweise in ganz verschiedene Richtungen. Sie lassen sich nicht durch das Licht stören. Nach einiger Zeit löst sich der Verband der Tarpone langsam auf und sie verschwinden im Dunkeln.

Überwältigt von den vielen Eindrücken beenden wir nach 90 Minuten diesen tollen Tauchgang.